Gedenkstättenschändung von Links

…makes me afraid, again.

Derzeit wird in und um Frankfurt für eine antifaschistische Demonstration am 25.02.17 mobilisiert. Die Intention, den Kampf gegen die derzeitige nationalistische Raserei zu forcieren, unterstütze ich voll und ganz.

Wenn allerdings UnterstützerInnen dieser Kampagne die Gedenkstätte einer Synagoge mit dem Mobilisierungsslogan der Demonstration beschmieren (s.u.), dann lässt mich dies erschaudern. Mehr noch, ich frage mich, ob ich mit solchen „Linken“ auf der selben Demonstration laufen möchte. Hierfür gibt es einige Gründe:

 

1. Aus meiner Sicht sollte jegliche Form der Relativierung der deutschen Judenvernichtung ein Tabu für AntifaschistInnen sein. „Make racists afrain again“ an ein Mahnmal einer zerstörten Synagoge zu schmieren bedeutet, die Einzigartigkeit dieses Verbrechens zu relativieren. Es bedeutet letztendlich, die derzeitige politische Entwicklung mit der Shoa zu vergleichen, wenn nicht gleichzusetzen. Indem die AktivistInnen diese Gedenkstätte von ihrem historischen Kontext befreien und in den Zusammenhang der aktuellen politischen Großwetterlage stellen, tragen sie dazu bei, die deutsche Judenvernichtung als ein (welt-)politisches Ereignis unter vielen darzustellen. Das Spezifische der deutschen Judenvernichtung und des Antisemitismus zu kennen würde bedeutet, nicht durch inakzeptable Vergleiche zur Trivialisierung des Nationalsozialismus beizutragen. Und eine Linke auf der Höhe der Zeit müsste eine Kritik der aktuellen politischen Ereignisse entwickeln, die ihre eigenen Begriffe formuliert.

2. Ich finde es auch auf der Ebene des individuellen Gedenkens inakzeptabel, diese Erinnerungsstätte zu beschmieren: Die VerursacherInnen rauben den von der Judenvernichtung Betroffenen und ihren Familien durch ihr Graffito den Platz für ein würdiges Gedenken. Der kleine Ort, der an die ehemalige Synagoge und ihre Zerstörung erinnert, wird durch die SprüherInnen „entweiht“ und stattdessen auf die Ebene eines Schulklos gehoben, an das jeder irgend etwas Beliebiges schmieren darf.

Ich hoffe, dass diese linke Gedenkstättenschändung nicht durch die OrganisatorInnen der Demonstration unterstützt wurde und mein Text dazu führt, dass solchen Aktionen wenigstens in der Frankfurter Linken in Zukunft entschieden widersprochen wird.

Ergänzung vom 23.02.2017: Ein Kommentar (s.u.) hat darauf aufmerksam gemacht, dass es bereits am 15.02.17 eine Reaktion auf die Gedenkstättenschändung gab. Die mutmaßlichen VerursacherInnen geben bei linksunten.indymedia an, nicht gewusst zu haben, dass sie auf die Wand einer Synagogendenkstätte gesprüht hätten. Es tue Ihnen leid. Immerhin. An dem oben formulierten ändert die nachträgliche Distanzierung freilich nichts.

Ein Gedanke zu „Gedenkstättenschändung von Links“

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